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Gute Beispiele
Die Filme des Festivals bedürfen der Begleitung, des Gesprächsangebots nach den Vorführungen. Darüber hinaus haben die Stadtkoordinatoren vieler Orte ein informatives, kreatives Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, das das Filmfest teilweise zu einem großartigen Event werden ließ.
Hier finden Sie einige solcher Beispiele aus verschiedensten Städten und Regionen, die als Anregung dienen können. In jedem Falle gilt: Die Durchführung eines jeden "Ausnahme|Zustand"-Festivals basiert auf den örtlichen Strukturen, Gegebenheiten und Netzwerken - es gibt nicht das "richtige" oder das "beste" Festival - vielmehr gestaltet jeder Partner "sein" für ihn passendes Filmfest!
- 1. Gesprächsangebot nach den Filmen
- 2. Infotische, Vorstellung von Institutionen/Hilfsangeboten
- 3. Diskussionsveranstaltungen
- 4. Tag(e) der seelischen Gesundheit / Aktionstage / Tag der offenen Tür
- 5. Öffentlichkeitsarbeit
- 6. Eigene Trailer und Kurzfilme
- 7. Einbindung anderer Filme
- 8. Eigene Schirmherren bzw. Prominente, die das Festival vor Ort präsentieren
- 9. Ausstellungen
- 10. Theater, Performances, Lesungen, Gottesdienste
- 11. Musik, Parties
- 12. Kreative Workshops für Schüler
- 13. Einbindung des Schulprojekts "Verrückt? Na und!", Nutzung der Materialien von Irrsinnig Menschlich e.V.
- 14. Veranstaltungen für Multiplikatoren: Fortbildungen, Jahresversammlungen
- 15. Qualität statt Quantität
Zu 1) GESPRÄCH/DISKUSSION
Wichtig und nötig für alle Filmvorführungen ist das Gesprächsangebot danach. Oft wird es -ähnlich einer Podiumsdiskussion- mit Gästen aus verschiedensten Institutionen veranstaltet.
Ein gutes Modell, um den Aufwand für die federführende Organisation in Maßen zu halten: verschiedene Träger vor Ort übernehmen die Begleitung eines Films, organisieren den betreffenden Abend.
> Remscheid, Wolfsburg
Zu 2) VORSTELLUNG VON HILFSANGEBOTEN
Das Festival dient als Plattform, die den Veranstaltern vor Ort die Möglichkeit gibt, sich zu vernetzen, bestehende Vernetzungen zu vertiefen und ihre Angebote vorzustellen, z.B. mit Infotischen in den Kinofoyers, mit Pressemitteilungen vor und während des Festivals etc.
Zu 3) DISKUSSIONEN, VORTRÄGE, VERANSTALTUNGEN
Separate Diskussionsveranstaltungen und Vorträge zu Themen der Stigmatisierung, Aspekten der Psychiatriearbeit, Kindersoldaten, bspw. in Zusammenarbeit mit der Universität
> Bielefeld u.a.
Große Podiumsdiskussion „Weit weg – Daheim. Auslandseinsätze der Bundeswehr. Wie SoldatInnen und Angehörige damit umgehen.“ Film „Nacht vor Augen“ aus dem Festivalprogramm wird zum Ausgangspunkt einer (politischen) Veranstaltung in Berlin.
Zu 4) AKTIONSTAGE
Viele Städte veranstalten „Aktionstage“, in die das Festival eingebettet wird. Oft sind es „Tag(e) der seelischen Gesundheit“, Tage der offenen Tür, „Psychiatriewochen“, "Landespsychatrietage"
> Berlin, Brandenburg an der Havel, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Mannheim, Norderstedt, Stuttgart...
...oder öffentlichkeitswirksame Events in und um (jugend)psychiatrische Einrichtungen, z.B.: mit dem TV-Star Inka Bause und RTL-Superstar Carlos Fassanelli im Kinder- und Frauenzentrum der Universitätsklinik, mit Besuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
> Leipzig
Zu 5) EIGENE PLAKATE / FLYER / MATERIALIEN
Die meisten Städte benutzen das bundesweite "Ausnahme|Zustand"-Material von Irrsinnig Menschlich e.V. in Kombination mit den von uns bereitgestellten Regionalflyern/Einklebeblättern für ihr eigenes Programm. Einige entwerfen und drucken aber auch eigene Flyer und Poster, die angepasst an das Festivalprogramm des Ortes meist das gesamte Rahmenprogramm, alle besonderen Termine rund um die Festivaltage und Informationen zu allen beteiligten Partner enthalten.
> Bad Homburg, Bielefeld, Dresden, Magdeburg, Würzburg,...
Besondere Aktion in Bielefeld: "Das Festival mit 66 Schirmherren und Schirmdamen" - Im Namen des Vereins für Psychiatrieerfahrene und des katholischen Vereins für soziale Dienste wurde jeder der Lust hatte, eingeladen, das Filmfestival zu unterstützen und ein "Schirmherr" oder eine "Schirmdame" zu werden. Einzige Bedingung: Die UnterstützerInnen erklären sich bereit, sich mit einem Schirm in der Hand fotografieren zu lassen und einen Grund zu sagen, warum Sie das Filmfestival unterstützten. Das Foto und der Grund für die Unterstützung wurden dann in den oberen Teil eines Plakates montiert, auf dem die Filme des Festivals und das Diskussionsprogramm in der Universität Bielefeld bekannt gemacht werden. Bis zu 20 Plakate bekamen die Unterstützerinnen dann zurück, mit der Bitte, diese aufzuhängen - 66 Schirmherren und Schirmdamen fanden sich bereit, die Aktion zu unterstützen.
> Bielefeld
Fotoaktion mit Unterstützern während des Festivals (Fotos und Statements wurden danach präsentiert)
> Wolfsburg
Gute Zusammenarbeit mit dem Kino: Extra-Einlegeblatt im wöchtentlichen Kinoprogramm
> Göttingen
Auf besondere Weise verstanden es die Organisatoren in Kaiserslautern, das 'Corporate Design' des Filmfests zu nutzen: Hier waren hunderte Luftballons in der Ausnahme|Zustand-Farbe vor dem Kino schon von weitem der Blickfang
> Kaiserslautern
CityCard, entworfen vom Partner Zughafen e.V., die das Filmfest in Erfurt in eigenem Design bewirbt
> Erfurt
Vor dem Filmstart lief im Geraer Kino täglich eine PowerPoint-Präsentation mit Infos zum Filmfest und allen folgenden Film-Terminen der Woche:
> Gera
Zu 6) EIGENE TRAILER UND KURZFILME
Einige Städte erstellten eigene Festivaltrailer, die während und vor dem Festival gespielt wurden. Diese entstehen teilweise in Kooperation mit Schülern, Auszubildenden, Studenten -
z.B. als Projekt von Schülern der freien Waldorfschule Kaltenkirchen gemeinsam mit dem ATP Psychosozialen Zentrum Norderstedt und dem avt plus media service
> Norderstedt
Popband Polarkreis zusammen mit dem SAEK-Ausbildungskanal
> Dresden
2 Trailer „Was ist verrückt?“ von Studenten der Uni Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal
> Magdeburg
Trailer
> Lüneburg
Eigens zum Filmfest lobte das Kino 46 zusammen mit dem Kulturensemble in Bremen einen Kurzfilmwettbewerb für Jugendliche unter dem Thema "Verrückt nach Leben" aus.
> Ausschreibung Wettbewerb in Bremen
Zu 7) ANDERE FILME
Teilweise wird das Festivalprogramm um einen Film erweitert, der den Veranstaltern vor Ort als wichtige thematische Ergänzung erscheint. Dieser kann einen regionalen Bezug haben
> Bielefeld: Film „Himmel und mehr – Dorothea Buck auf der Spur“ über D.Buck, führende Persönlichkeit der Bewegung Psychatrieerfahrener
oder von den Organisatoren als besonders attraktiv für das örtliche Publikum angesehen werden
> Remscheid: „A Beautiful Mind“, Spielfilm über an Schizophrenie erkranktes Mathegenie von Ron Howard (USA 2001)
oder das Festivalprogramm um Aspekte erweitern, die dem örtlichen Netzwerk aktuell besonders am Herzen liegen
> Frankfurt/Main: geplant ist die Integration des Filmes „Ihr Name ist Sabine“ (aus dem ÜberMacht-Festival, Thema: Autismus/Psychatrie, sowie „Caché“ (Psycho-Thriller, FR 2005)
> Bamberg bietet den Film "Ben X" (Belgien/NL 2007) zusätzlich für Schüler an
> Konstanz nimmt die Spielfilme "Das weiße Rauschen" (D 2001) über drogeninduzierte Psychosen und "Allein" (D 2005) über eine Borderline-Persönlichkeitsstörung mit ins Programm auf
Zu 8) PROMINENTE / SCHIRMHERREN / UNTERSTÜTZER
In vielen Orten präsentieren Prominente das Filmfest – seien es eher regional oder bundesweit bekannte Politiker, Musiker oder Sportler. So übernehmen vielerorts die Bürgermeister oder Landräte die Schirmherrschaft
> Dresden, Erfurt, Lüneburg...
in anderen Orten sind es Prominente, die einen Bezug zum Festivalort haben > Dresden – Polarkreis 18, Erfurt – Clueso, Potsdam – Mellow Mark, Jena – Hubert Hammerl, Leipzig – Inka Bause
Viele Prominente unterstützen das Festival aber in seiner Gesamtheit und treten in verschiedenen Orten auf
> Carlos Fassanelli – Leipzig, Bayreuth
In Bielefeld waren die Schirmherren zwar nicht so berühmt, aber dafür um so zahlreicher: 66 Schirmherren bewarben das Festival mit ihrem Gesicht (s.o.) und nahmen zu einem großen Teil auch an der Pressekonferenz im Vorfeld und am Festival selbst teil
> Bielefeld
Sammlung von 12 Statements prominenter Personen der Stadt (Künstler, Politiker, Mediziner....)
> Wolfsburg
Zu 9) KUNST
Ausstellungen/ Ausstellungseröffnungen, meist mit Werken, die in einem kunsttherapeutischen Zusammenhang entstanden sind, z.B. aus den „offenen Ateliers Eickelborn“ (künstlerische Arbeit mit psychisch kranken Straftätern) oder dem Maleratelier des Psychiatrischen Zentrums in Rickling, dem offenes Atelier der Klinik Magdeburg aber auch dem bundesweiten Projekt b:hindert, einer Ausstellung mit Werken von Menschen mit seelischer Behinderung / psychischer Erkrankung in Brandenburg und Jena. Fotografische Portraits von Menschen aus dem Projekt "Betreutes Wohnen in Familien" waren in einer weiteren Ausstellung parallel zum Filmfest in Jena zu sehen.
> Bielefeld, Brandenburg, Magdeburg, Mannheim, Norderstedt, Jena
Ausstellungsvernissagen regionaler Künstler, Galerien, Ausstellungen
> Görlitz
Eine Ausstellung zum Thema Seelische Gesundheit bei Jugendlichen findet während des Filmfestes in Karben in der Kurt-Schumacher-Schule, die "Ausnahme|zustand" vor Ort organisierte, statt
> Karben
Zu 10) THEATER / LITERATUR / PERFORMANCE / GOTTESDIENST
Theaterstücke im Rahmenprogramm, z.B. Integration des Projektes „b:hindert“ (Theaterstück und Ausstellung mit Werken von Menschen mit seelischer Behinderung / psychischer Erkrankung) in die Festivalwoche
> Brandenburg
Improvisationstheater und Buchlesung
> Magdeburg
Tanztheater
> Wolfsburg
Poetry-Slam
> Bad Homburg, Eschwege, Mannheim
Kabarett zur Eröffnung sowie ein Gottesdienst für Psychiatrie-Erfahrene
> Aachen
Zur Abschließenden Familienveranstaltung treten die "Clown Doktoren" auf
> Mainz
Zu 11) MUSIK
Nicht nur zu größeren Auftakt- oder Abschlussveranstaltung organisieren die Städtepartner oft musikalische Einlagen (bspw. der Schirmherren, wenn es Musiker sind), oft gibt es auch musikalische Veranstaltungen, wie Konzerte oder größere (Abschluss)parties an den Abenden. Es treten regional bekannte Bands auf oder finden andere (jugend)kulturelle Events (z.B. Poetry Slam) statt
> Bad Homburg, Dresden, Magdeburg, Landau, Norderstedt, Würzburg...
eine Trommelgruppe zur Eröffnung spielte in
> Görlitz
eine Marching Band Band zog am Tag der Festivaleröffnung durch die Fußgängerpassage und machte Werbung für den Abend, außerdem wurde das musiktherapeutischen Projekt „ST-Band“, einem Gruppenangebot des Pfalzklinikums, in der Sozialtherapeutischen Abteilung ST des Pfalzinstituts – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Klingenmünster vorgestellt in
> Kaiserslautern
eigens für das Festival Komponiertes: Jugendliche stellen ihre in Kooperation mit dem Verein „Aktion Musik“ zwei für das Filmfestival komponierte Lieder vor
> Magdeburg
eine Sonntagsmatinee mit „Goldkind“ und musizierenden Kindern und Eltern gab es in
> Leipzig
das "Rattlesnake Orchestra" eröffnet das Filmfest i
> Mainz
Zu 12) WORKSHOPS
Neben den Schulveranstaltungen finden speziell auf Jugendliche ausgerichtete Angebote zur Nachbereitung der Filme statt, wie bspw. durch eine Motopädin initiierte kreative Workshops (Malen, Arbeiten in Stein, Schreiben/Poetry-Slam)
> Eschwege
oder eine Methodenwerkstatt (Klangbaumworkshop, Zirkusworkshop, Erlebnispädagogik) in
> Magdeburg
und der Workshop des Vereins "Hauen ist doof" in der Schule
> Jena
Zu 13) SCHULPROJEKT
Vielerorts nutzen die Städtepartner nicht nur die Gelegenheit, sich und ihre (regionalen) Angebote vorzustellen, sondern binden auch die Projekte und Materialien von Irrsinnig Menschlich e.V. ein: Benutzung der Aufsteller, Weitergabe der Pocketguides oder Einbindung des Schulprojekts „Verrückt! Na und?“
> Brandenburg, Dresden, Villingen-Schwenningen/Donaueschingen, Wolfsburg...
Zu 14) FORTBILDUNG MULTIPLIKATOREN
Auch für Multiplikatoren, für Lehrer, Erzieher, Pädagogen, Therapeuten und Ärzte ist das Festival ein Anlaufpunkt. Hier können Diskussionsveranstaltungen und Weiterbildungsangebote angeboten werden, bspw. mittels einem speziellen Angebot für die Lehrer und Eltern (Kurzseminare zum Thema Prävention psychischer Erkrankungen und Umgang mit schwierigen Schülern), während die Jugendlichen parallel den Film auf andere Weise verarbeiten
> Eschwege, Kaiserslautern
Psychoseseminar in der Volkshochschule
> Norderstedt
Workshops zu den Themen Borderline und Kinder psychisch kranker Eltern für Lehrer/innen, Angehörige und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen; Fortbildung zum Thema "Depression - die Schwester der Sucht?"
> Aachen
Einige Städte legen anstehende Jahrestagungen, Veranstaltungen in die Festivalwoche, z.B. Gesamtversammlung/Jahrestagung des sozialpsychiatrischen Verbandes, Initiativtreffen Psychoseminar der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychatrie im Land Sachsen-Anhalt e.V.
> Wolfsburg, Magdeburg...
zu 15) QUALITÄT STATT QUANTITÄT
Erfahrung einiger Veranstaltungen: trotz (oder wegen) geringer Besucherzahlen ist in solchen Veranstaltungen die Diskussion nach den Filmen oft besonders angeregt/dicht/interessant
Teilweise kommen eher „Insider“: Betroffene, Multiplikatoren, Professionelle: aber auch für sie ist Festival „Bereicherung“