Gute Beispiele

Die Filme des Festivals bedürfen der Begleitung, des Gesprächsangebots nach den Vorführungen. Darüber hinaus haben die Stadtkoordinatoren vieler Orte ein informatives, kreatives Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, das das Filmfest teilweise zu einem großartigen Event werden ließ.

Hier finden Sie einige solcher Beispiele aus verschiedensten Städten und Regionen, die als Anregung dienen können. In jedem Falle gilt: Die Durchführung eines jeden "Ausnahme|Zustand"-Festivals basiert auf den örtlichen Strukturen, Gegebenheiten und Netzwerken - es gibt nicht das "richtige" oder das "beste" Festival - vielmehr gestaltet jeder Partner "sein" für ihn passendes Filmfest!   

 

Zu 1) GESPRÄCH/DISKUSSION

Wichtig und nötig für alle Filmvorführungen ist das Gesprächsangebot danach. Oft wird es -ähnlich einer Podiumsdiskussion- mit Gästen aus verschiedensten Institutionen veranstaltet.

Ein gutes Modell, um den Aufwand für die federführende Organisation in Maßen zu halten: verschiedene Träger vor Ort übernehmen die Begleitung eines Films, organisieren den betreffenden Abend.
> Remscheid, Wolfsburg

Zu 2) VORSTELLUNG VON HILFSANGEBOTEN

Das Festival dient als Plattform, die den Veranstaltern vor Ort die Möglichkeit gibt, sich zu vernetzen, bestehende Vernetzungen zu vertiefen und ihre Angebote vorzustellen, z.B. mit Infotischen in den Kinofoyers, mit Pressemitteilungen vor und während des Festivals etc.

Zu 3) DISKUSSIONEN, VORTRÄGE, VERANSTALTUNGEN

Separate Diskussionsveranstaltungen und Vorträge zu Themen der Stigmatisierung, Aspekten der Psychiatriearbeit, Kindersoldaten, bspw. in Zusammenarbeit mit der Universität 
Bielefeld u.a.

Große Podiumsdiskussion „Weit weg – Daheim. Auslandseinsätze der Bundeswehr. Wie SoldatInnen und Angehörige damit umgehen.“ Film „Nacht vor Augen“ aus dem Festivalprogramm wird zum Ausgangspunkt einer (politischen) Veranstaltung in Berlin.

Zu 4) AKTIONSTAGE

Viele Städte veranstalten „Aktionstage“, in die das Festival eingebettet wird. Oft sind es „Tag(e) der seelischen Gesundheit“, Tage der offenen Tür, „Psychiatriewochen“, "Landespsychatrietage"
> Berlin, Brandenburg an der Havel, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Mannheim, Norderstedt, Stuttgart...

...oder öffentlichkeitswirksame Events in und um (jugend)psychiatrische Einrichtungen, z.B.: mit dem TV-Star Inka Bause und RTL-Superstar Carlos Fassanelli  im Kinder- und Frauenzentrum der Universitätsklinik, mit Besuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
> Leipzig

Zu 5) EIGENE PLAKATE / FLYER / MATERIALIEN

Die meisten Städte benutzen das bundesweite "Ausnahme|Zustand"-Material von Irrsinnig Menschlich e.V. in Kombination mit den von uns bereitgestellten Regionalflyern/Einklebeblättern für ihr eigenes Programm. Einige entwerfen und drucken aber auch eigene Flyer und Poster, die angepasst an das Festivalprogramm des Ortes meist das gesamte Rahmenprogramm, alle besonderen Termine rund um die Festivaltage und Informationen zu allen beteiligten Partner enthalten.
> Bad Homburg, Bielefeld, Dresden, Magdeburg, Würzburg,...

Besondere Aktion in Bielefeld: "Das Festival mit 66 Schirmherren und Schirmdamen" - Im Namen des Vereins für Psychiatrieerfahrene und des katholischen Vereins für soziale Dienste wurde jeder der Lust hatte, eingeladen, das Filmfestival zu unterstützen und ein "Schirmherr" oder eine "Schirmdame" zu werden. Einzige Bedingung: Die UnterstützerInnen erklären sich bereit, sich mit einem Schirm in der Hand fotografieren zu lassen und einen Grund zu sagen, warum Sie das Filmfestival unterstützten. Das Foto und der Grund für die Unterstützung wurden dann in den oberen Teil eines Plakates montiert, auf dem die Filme des Festivals und das Diskussionsprogramm in der Universität Bielefeld bekannt gemacht werden. Bis zu 20 Plakate bekamen die Unterstützerinnen dann zurück, mit der Bitte, diese aufzuhängen - 66 Schirmherren und Schirmdamen fanden sich bereit, die Aktion zu unterstützen.
> Bielefeld

Fotoaktion mit Unterstützern während des Festivals (Fotos und Statements wurden danach präsentiert)
> Wolfsburg

Gute Zusammenarbeit mit dem Kino: Extra-Einlegeblatt im wöchtentlichen Kinoprogramm
> Göttingen

Auf besondere Weise verstanden es die Organisatoren in Kaiserslautern, das 'Corporate Design' des Filmfests zu nutzen: Hier waren hunderte Luftballons in der Ausnahme|Zustand-Farbe vor dem Kino schon von weitem der Blickfang
> Kaiserslautern

CityCard, entworfen vom Partner Zughafen e.V., die das Filmfest in Erfurt in eigenem Design bewirbt
> Erfurt

Vor dem Filmstart lief im Geraer Kino täglich eine PowerPoint-Präsentation mit Infos zum Filmfest und allen folgenden Film-Terminen der Woche:
> Gera

Zu 6) EIGENE TRAILER UND KURZFILME

Einige Städte erstellten eigene Festivaltrailer, die während und vor dem Festival gespielt wurden. Diese entstehen teilweise in Kooperation mit Schülern, Auszubildenden, Studenten -
z.B. als Projekt von Schülern der freien Waldorfschule Kaltenkirchen gemeinsam mit dem ATP Psychosozialen Zentrum Norderstedt und dem avt plus media service
> Norderstedt

Popband Polarkreis zusammen mit dem SAEK-Ausbildungskanal
> Dresden

2 Trailer „Was ist verrückt?“ von Studenten der Uni Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal
> Magdeburg

Trailer
> Lüneburg

Eigens zum Filmfest lobte das Kino 46 zusammen mit dem Kulturensemble in Bremen einen Kurzfilmwettbewerb für Jugendliche unter dem Thema "Verrückt nach Leben" aus.
> Ausschreibung Wettbewerb in Bremen 

 

Zu 7) ANDERE FILME

Teilweise wird das Festivalprogramm um einen Film erweitert, der den Veranstaltern vor Ort als wichtige thematische Ergänzung erscheint. Dieser kann einen regionalen Bezug haben
> Bielefeld: Film „Himmel und mehr – Dorothea Buck auf der Spur“ über D.Buck, führende Persönlichkeit der Bewegung Psychatrieerfahrener

oder von den Organisatoren als besonders attraktiv für das örtliche Publikum angesehen werden
> Remscheid: „A Beautiful Mind“, Spielfilm über an Schizophrenie erkranktes Mathegenie von Ron Howard (USA 2001)

oder das Festivalprogramm um Aspekte erweitern, die dem örtlichen Netzwerk aktuell besonders am Herzen liegen
> Frankfurt/Main: geplant ist die Integration des Filmes „Ihr Name ist Sabine“ (aus dem ÜberMacht-Festival, Thema: Autismus/Psychatrie, sowie „Caché“ (Psycho-Thriller, FR 2005)

> Bamberg bietet den Film "Ben X" (Belgien/NL 2007) zusätzlich für Schüler an

> Konstanz nimmt die Spielfilme "Das weiße Rauschen" (D 2001) über drogeninduzierte Psychosen und "Allein" (D 2005) über eine Borderline-Persönlichkeitsstörung mit ins Programm auf

Zu 8) PROMINENTE / SCHIRMHERREN / UNTERSTÜTZER

In vielen Orten präsentieren Prominente das Filmfest – seien es eher regional oder bundesweit bekannte Politiker, Musiker oder Sportler. So übernehmen vielerorts die Bürgermeister oder Landräte die Schirmherrschaft
> Dresden, Erfurt, Lüneburg...

in anderen Orten sind es Prominente, die einen Bezug zum Festivalort haben > Dresden – Polarkreis 18, Erfurt – Clueso, Potsdam – Mellow Mark, Jena – Hubert Hammerl, Leipzig – Inka Bause

Viele Prominente unterstützen das Festival aber in seiner Gesamtheit und treten in verschiedenen Orten auf
> Carlos Fassanelli – Leipzig, Bayreuth

In Bielefeld waren die Schirmherren zwar nicht so berühmt, aber dafür um so zahlreicher: 66 Schirmherren bewarben das Festival mit ihrem Gesicht (s.o.) und nahmen zu einem großen Teil auch an der Pressekonferenz im Vorfeld und am Festival selbst teil
> Bielefeld

Sammlung von 12 Statements prominenter Personen der Stadt (Künstler, Politiker, Mediziner....)
> Wolfsburg

 

Zu 9) KUNST

Ausstellungen/ Ausstellungseröffnungen, meist mit Werken, die in einem kunsttherapeutischen Zusammenhang entstanden sind, z.B. aus den „offenen Ateliers Eickelborn“ (künstlerische Arbeit mit psychisch kranken Straftätern) oder dem Maleratelier des Psychiatrischen Zentrums in Rickling, dem offenes Atelier der Klinik Magdeburg aber auch dem bundesweiten Projekt b:hindert, einer Ausstellung mit Werken von Menschen mit seelischer Behinderung / psychischer Erkrankung in Brandenburg und Jena. Fotografische Portraits von Menschen aus dem Projekt "Betreutes Wohnen in Familien" waren in einer weiteren Ausstellung parallel zum Filmfest in Jena zu sehen.
> Bielefeld, Brandenburg, Magdeburg, Mannheim, Norderstedt, Jena

Ausstellungsvernissagen regionaler Künstler, Galerien, Ausstellungen
> Görlitz

Eine Ausstellung zum Thema Seelische Gesundheit bei Jugendlichen findet während des Filmfestes in Karben in der Kurt-Schumacher-Schule, die "Ausnahme|zustand" vor Ort organisierte, statt
> Karben

Zu 10) THEATER / LITERATUR / PERFORMANCE / GOTTESDIENST

Theaterstücke im Rahmenprogramm, z.B. Integration des Projektes „b:hindert“ (Theaterstück und Ausstellung mit Werken von Menschen mit seelischer Behinderung / psychischer Erkrankung) in die Festivalwoche 
> Brandenburg

Improvisationstheater und Buchlesung
> Magdeburg

Tanztheater
> Wolfsburg

Poetry-Slam
> Bad Homburg, Eschwege, Mannheim

Kabarett zur Eröffnung sowie ein Gottesdienst für Psychiatrie-Erfahrene
> Aachen

Zur Abschließenden Familienveranstaltung treten die "Clown Doktoren" auf
> Mainz

 

Zu 11) MUSIK

Nicht nur zu größeren Auftakt- oder Abschlussveranstaltung organisieren die Städtepartner oft musikalische Einlagen (bspw. der Schirmherren, wenn es Musiker sind), oft gibt es auch musikalische Veranstaltungen, wie Konzerte oder größere  (Abschluss)parties an den Abenden. Es treten regional bekannte Bands auf oder finden andere (jugend)kulturelle Events (z.B. Poetry Slam) statt 
> Bad Homburg, Dresden, Magdeburg, Landau, Norderstedt, Würzburg...

eine Trommelgruppe zur Eröffnung spielte in
> Görlitz

eine Marching Band Band zog am Tag der Festivaleröffnung durch die Fußgängerpassage und machte Werbung für den Abend, außerdem wurde das musiktherapeutischen Projekt „ST-Band“, einem Gruppenangebot des Pfalzklinikums, in der Sozialtherapeutischen Abteilung ST des Pfalzinstituts – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Klingenmünster vorgestellt in
> Kaiserslautern

eigens für das Festival Komponiertes: Jugendliche stellen ihre in Kooperation mit dem Verein „Aktion Musik“ zwei für das Filmfestival komponierte Lieder vor
> Magdeburg

eine Sonntagsmatinee mit „Goldkind“ und musizierenden Kindern und Eltern gab es in
> Leipzig

das "Rattlesnake Orchestra" eröffnet das Filmfest i
> Mainz

 

Zu 12) WORKSHOPS

Neben den Schulveranstaltungen finden speziell auf Jugendliche ausgerichtete Angebote zur Nachbereitung der Filme statt, wie bspw. durch eine Motopädin initiierte kreative Workshops (Malen, Arbeiten in Stein, Schreiben/Poetry-Slam)
> Eschwege

oder eine Methodenwerkstatt (Klangbaumworkshop, Zirkusworkshop, Erlebnispädagogik) in
> Magdeburg

und der Workshop des Vereins "Hauen ist doof" in der Schule
> Jena

Zu 13) SCHULPROJEKT

Vielerorts nutzen die Städtepartner nicht nur die Gelegenheit, sich und ihre (regionalen) Angebote vorzustellen, sondern binden auch die Projekte und Materialien von Irrsinnig Menschlich e.V. ein: Benutzung der Aufsteller, Weitergabe der Pocketguides oder Einbindung des Schulprojekts „Verrückt! Na und?“ 
> Brandenburg, Dresden, Villingen-Schwenningen/Donaueschingen, Wolfsburg...

Zu 14) FORTBILDUNG MULTIPLIKATOREN

Auch für Multiplikatoren, für Lehrer, Erzieher, Pädagogen, Therapeuten und Ärzte ist das Festival ein Anlaufpunkt. Hier können Diskussionsveranstaltungen und Weiterbildungsangebote angeboten werden, bspw. mittels einem speziellen Angebot für die Lehrer und Eltern (Kurzseminare zum Thema Prävention psychischer Erkrankungen und Umgang mit schwierigen Schülern), während die Jugendlichen parallel den Film auf andere Weise verarbeiten
> Eschwege, Kaiserslautern

Psychoseseminar in der Volkshochschule
> Norderstedt

Workshops zu den Themen Borderline und Kinder psychisch kranker Eltern für Lehrer/innen, Angehörige und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen; Fortbildung zum Thema "Depression - die Schwester der Sucht?"
> Aachen

Einige Städte legen anstehende Jahrestagungen, Veranstaltungen in die Festivalwoche, z.B. Gesamtversammlung/Jahrestagung des sozialpsychiatrischen Verbandes, Initiativtreffen Psychoseminar der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychatrie im Land Sachsen-Anhalt e.V.
> Wolfsburg, Magdeburg...

 

 

zu 15) QUALITÄT STATT QUANTITÄT

Erfahrung einiger Veranstaltungen: trotz (oder wegen) geringer Besucherzahlen ist in solchen Veranstaltungen die Diskussion nach den Filmen oft besonders angeregt/dicht/interessant

Teilweise kommen eher „Insider“: Betroffene, Multiplikatoren, Professionelle: aber auch für sie ist Festival „Bereicherung“