Emoticons





Heddy Honigmann, Niederlande 2008, 53 min., FSK 12

Der Film
Für viele Eltern ist das Internet insbesondere eins: fremdes und beunruhigendes Territorium. In den Tiefen der Chatrooms und hinter Portalen mit undurchschaubaren Online-Spielen vermuten sie ein Medium, das ihre Kinder einsam, aggressiv und unsozial macht.
Dieser Film zeigt, dass das Internet für Heranwachsende auch eine andere, eine positive Funktion übernehmen kann.
Auf den ersten Blick erfüllt die 14jährige Saskia, die in der Schule gemobbt wird, das Klischee, denn sie kompensiert ihren enormen Stress mit gewalttätigen Computerspielen. Doch zugleich nutzt sie das Netz auch, um Kontakt mit anderen Betroffenen aufzubauen und Freunde zu finden. Sanne ist 16 und publiziert ihre traurigen Gedichte im Netz. Sie profitiert enorm von den positiven Reaktionen darauf. Samantha wurde mit 15 vergewaltigt und verarbeitet diese schreckliche Erfahrung bis heute, indem sie andere junge Mädchen in Internet-Foren bei Fragen über Liebe und Sex berät. Debbie und Inge verloren ihre Mütter durch Brustkrebs. Sie trafen sich in einem Selbsthilfeforum im Netz, schrieben sich seitdem hunderte von E-Mails und sind heute beste Freundinnen. Die aus Algerien stammende Zineb nutzt das Internet, um mit ihrer Familie in Kontakt zu bleiben, während sie selbst in Holland auf eine Aufenthaltsgenehmigung wartet.
Emoticons sind Zeichenfolgen, die im Internet als Kurzform für Stimmungen und Emotionen verwendet werden. Bei Heddy Honigmann stehen sie für eine neue Form der Kommunikation über das Netz, die viele Jugendliche dann wählen, wenn das direkte soziale Umfeld ihnen nicht den nötigen Halt bietet. Heddy Honigmann tritt den Mädchen auf ihrem eigenen Territorium gegenüber, sie chattet mit ihnen und lernt „ihre“ Sprache, um dem Phänomen offen und vorurteilsfrei gegenüber treten zu können. Dabei vermeidet der Film gängige Klischees, verschweigt aber keineswegs, wie schmal der Grad zwischen emotionalem Halt und digitaler Einsamkeit sein kann.
Die jugendlichen Protagonistinnen scheuen sich nicht, offen über ihre Ängste und Gefühle zu sprechen. Sie sind sich erstaunlich bewusst, welche ambivalente Rolle das Internet in ihrem Leben spielt. „Emoticons“ zeigt, dass es darauf ankommt, sich im Netz nicht nur berieseln zu lassen, sondern das Medium aktiv für die eigenen Bedürfnisse zu nutzen.

Der Hintergrund
Aktuelle Studien warnen, dass die Suchtgefahr des Internets besonders für Jugendliche hoch ist und dass der Kontakt zur realen Welt in Extremfällen fast vollständig verloren gehen kann. Dazu kommt die Diskussion über die Wirkung von Gewaltspielen auf jugendliche Spieler. Dennoch ist es sicher keine Lösung, eine so alltägliche Praxis wie die Computer- und Internetkommunikation zu verdammen. Heddy Honigmann zeigt, wie einfallsreich und kreativ Mädchen und junge Frauen das Internet für sich nutzen. Und sie zeigt ebenfalls, dass es für viele, die sonst keinen Ort haben, auch ein wichtiger Rückzugsraum geworden ist.

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Interview mit der Regisseurin Heddy Honigman beim SPIESSER

Filmpaten