War Child
Presseinformation zum Filmthema
"War Child"-Regisseur Karim Chrobog über seinen Film

Du wolltest einen Film über Hip Hop machen und bist so auf Emmanuel Jal und seine Geschichte gestoßen. Wie war das genau?
Wir wollten eine Fernsehserie über die Globalisierung von Musik in der Welt machen und verschiedene Länder durch die Augen von verschiedenen Musikern zeigen. Wir hatten eine lange Liste mit Musikern aus der ganzen Welt von China bis Kuba, und auf dieser Liste war auch Emmanuel Jal drauf. Bei unserer Recherche haben wir seine Geschichte und ihn dann kennen gelernt, und uns dafür entschieden, einen Film darüber zu machen.
War es denn direkt die Geschichte, die Dich dazu bewogen hat, den Film zu machen oder auch seine charismatische Persönlichkeit?
Für uns war es besonders wichtig, nicht nur die negativen Seiten von Afrika zu zeigen, sondern mal eine andere Geschichte zu erzählen: Eine authentische afrikanische positive Geschichte, und durch den Hip Hop besonders auch eine Geschichte für Jugendliche. Statt eines Außenseiters, der über eine NGO nach Afrika geht, zeigen wir einen Afrikaner, der trotz denkbar schlechter Ausgangsituation was aus seinem Leben gemacht hat. Alles war gegen ihn, aber er hat es dennoch geschafft. Und zwar als Hip Hopper.
Deine eigene Biographie unterscheidet sich stark von der von Emmanuel Jal. War das je ein Problem in eurer Zusammenarbeit?
Natürlich sind die Biographien komplett anders, das Leben eines Diplomatenkindes, wie ich es bin, ist nicht zu vergleichen mit dem eines Kindersoldaten. Aber ich denke, dadurch das ich multikulturell aufgewachsen bin, war es vielleicht ein bisschen einfacher, mich in seine Geschichte einzuarbeiten und einzufühlen. Emmanuel und ich haben uns sofort verstanden und das war auch wichtig für den Film.
Auch für Jugendliche in Westeuropa ist das Thema "Kindersoldaten" weit weg von Ihrer eigenen Lebenserfahrung. Was kann der Film Jugendlichen dennoch geben? Was für Reaktionen gab es?
Wir merken immer wieder, das Jugendliche besonders auf den Film reagieren. Der Film zeigt, dass es die Möglichkeit gibt, aus schwierigen Situationen herauszukommen. Das man sein Leben so umdrehen kann und etwas daraus machen. Emanuel Jal kann hier ein Vorbild sein und unser Film Anstoß geben. Wir erleben das immer wieder. Es gibt sogar eine Szene im Film, die das zeigt, da ist dieses Mädchen in einer Schule in einem sozialen Brennpunkt in Washington, die sehr berührt ist. Wir haben den Film auch in New Orleans gezeigt, nach dem Hurrikan Katrina und die Leute, besonders die jungen Leute, schöpften Mut aus dem Film. Wir reisen mit dem Film auch viel und machen extra Veranstaltungen für Jugendliche, oft auch in Verbindung mit einem Konzert, um den Jugendlichen etwas zu geben.
In Deutschland gibt es natürlich zum Glück keine Kindersoldaten, aber die Jugendlichen haben Ihre eigenen Probleme, die ganz vielfältig sein können, ihre Krisen und Ängste. Der Film kann auch Ihnen zeigen, dass man sein Leben umdrehen kann und etwas Gutes daraus machen.
Sind Du und Emmanuel noch in Kontakt?
Klar, wir sehen uns oft und telefonieren sehr oft. Gerade waren wir auf einem Festival in Capri und in Frankreich beim Deauville Festival du Cinema Americain. Wir sind gute Freunde geworden.
Gibt es neue Pläne? Hast Du schon ein neues Projekt?
Neue Pläne gibt es natürlich immer. Im Moment reisen wir viel mit War Child, aber ich arbeite auch schon an einem neuen Projekt: Die Reise des Ibn Battutah, die Geschichte eines großen, aber leider wenig bekannten Entdeckers aus dem 14. Jahrhundert. Ich möchte ihn in die heutige Zeit bringen und Stereotype vom Westen über den Nahen Osten und umgekehrt hinterfragen.
Fotos von allen Festivalfilmen finden Sie hier.