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Lasse von deinen Erinnerungen los

Erinnerungen sind etwas Schönes, oftmals sind sie so unglaublich schön, dass wir aus dem schwärmen über die „guten alten Zeiten“ à la „ach ja, damals, da war alles noch besser und schöner“ kaum noch herauskommen. Doch was passiert, wenn uns diese „schönen“ oder wohl eher „verschönten“ Erinnerungen nicht mehr loslassen wollen bzw wenn wir nicht mehr loslassen wollen? Wenn es eben nicht nur bei einer schönen Erinnerung bleibt, sondern wir uns daran festklammern und damit beginnen, in der Vergangenheit zu leben

Ab dem Moment, wo wir das erste Mal das Licht der Welt erblicken werden wir mit einer gigantischen Menge an Informationen zum einen über uns selbst, sowie auch über jene die unsere Umwelt betreffen überhäuft. [1]

Wenn man jetzt mal das einzelne Individuum und damit auch seine Herkunft für einen Moment außen vor lässt, dann durchlaufen wir fast alle im Laufe unsere Lebens „idealerweise bzw stereotypisch“ betrachtet dieselben Phasen. Wir kommen auf die Welt, gehen in den Kindergarten, die Schule, die Uni oder machen eine Ausbildung, gründen eine Familie und werden schließlich alt. Während dessen begegnen wir dann den unterschiedlichsten Menschen und erleben somit auch die unterschiedlichsten Situationen auf unseren Wegen.

Doch wie schaffen wir es bei all diesen unzähligen Erlebnissen, bei all dem, was uns sowohl an schönen, sowie auch an tragischen Momenten wiederfahren ist und was wir dementsprechend auch alles im Laufe dieser Zeit gelernt haben, überhaupt in Erinnerung zu behalten und nicht zu vergessen? 

Wir haben mehr als nur „ein“ Gedächtnis? 

Wir sind dazu im Stande, uns die verschiedensten Arten von Erinnerungen über unterschiedlich lang Zeiträume hinweg zu merken. [1] Wobei es hierbei auch ganz darauf ankommt, ob es sich um eine männliche oder um eine weibliche Person handelt, da beide jeweils unterschiedliche Hirnareale nutzen, um eine Erinnerung abzurufen.  

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Während unser Kurzzeitgedächtnis die Informationen nur kurzfristig abspeichert, bleiben uns die Erinnerungen, welche sich in unserem Langzeitgedächtnis abspeichern für viele Jahre lang erhalten. Hinzukommend verfügen wir auch über ein sogenanntes „Arbeitsgedächtnis“, welches es uns ermöglicht, bestimmte Informationen für eine entsprechende Periode im Kopf zu behalten. [1] 

Wenn wir uns zum Beispiel versuchen eine bestimmte Zahlenfolge zu merken, dann tun wir das, indem wir diese immer wieder wiederholen, um sie uns somit entsprechend zu merken und dabei beanspruchen wir eben unser Arbeitsgedächtnis.  

Erinnerungen 

Diese kann man je nach Thematik oder den Grad ihres bewussten Erlebens bestimmen. [1]

Das deklarative Gedächtnis

Dieses ermöglicht es uns, dass wir uns an Ereignisse erinnern, die wir bewusst wahrgenommen haben. Dabei kann es sich zum Beispiel um Fakten oder auch um Allgemeinwissen jeglicher Art (zb. Wer Newton war oder was die Hauptstadt von London ist), sowie auch um Ereignisse aus der Vergangenheit (der Geburtstag der besten Freundin) handeln.

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Das prozedurale Gedächtnis

Dieses richtet sich unbewusst aus, wodurch sich automatisierte Handlungsabläufe hier abspeichern lassen. Wenn wir zum Beispiel das Inlineskaten oder das Klavier spielen lernen, dann ist dieses Gedächtnis dafür verantwortlich, dass diese expliziten Abläufe automatisiert werden. [1]

Zudem ist es auch dafür verantwortlich, dass sich innerhalb unseres Körpers unbewusste Reaktionen entwickeln zum Beispiel das Gefühl der Anspannung, wenn wir vor etwas Angst haben.

Pauschal lässt sich unser deklaratives Gedächtnis ohne Weiteres leichter beeinflussen bzw formen, als unser prozedurales, weil es wesentlich einfacher ist Allgemeine Information einfach nur auswendig zu lernen und dementsprechend abzurufen, als das zeitintensivere erlernen eines Instrumentes. 

Die Erinnerungen des prozeduralen Gedächtnisses bleiben uns jedoch länger erhalten, da sich diese automatisieren und somit „für immer“ in uns einprägen. Wer einmal das Fahrrad fahren erlernt hat, der wird das nicht so schnell bzw „nie wieder“ verlernen. [1]

Sehr gut. Jetzt weißt du zwar, wie und „wo“ sich unsere Erinnerungen bilden und einprägen, jedoch immer noch nicht, wie du diesen Gedankenballast, welchen du dich tagtäglich ausgesetzt fühlst loslassen kannst.  

Wie entsteht ein Gedankenkarussel 

Oftmals fühlen wir uns traurig und hilflos, wenn wir uns an den Erinnerungen aus unserer Vergangenheit festhalten- dementsprechend also in der Vergangenheit „leben“. Sobald wir jedoch anfangen in der Zukunft zu „leben“ (und damit ist nicht ein zukunftsorientiertes Denken, sondern eher die Angst vor dem ungewissen gemeint), bekommen wir es mit der Angst und dementsprechend auch mit den Sorgenschleifen zu tun. 

Falsche Freunde 

Unsere Erinnerungen sind jene, welche uns prägen und einen Teil unserer Geschichte erzählen- wie wir so geworden sind, wie wir nun mal sind. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass wir „uns“ ausschließlich über diese definieren sollten. Erinnerungen sind trügerisch, weil wir dazu neigen, dass Erlebte zu verschönern oder es zu dramatisieren. Jeder von uns hat sich mind. schon einmal  in der Situation wiedergefunden, dass es immer „zwei Seiten einer Münze gibt“, was nichts anderes bedeutet, als das jeder seiner Version der „Wahrheit, bwz der Geschichte“ hat. Dementsprechend ist es für jeden von uns insbesondere nach einer Trennung oder nach dem Tod eines geliebten Menschen sehr schwer, aus der Vergangenheit bzw den Erinnerungen wieder in die Gegenwart zurückzukommen. 

Unmittelbar nach solchen „Schock-Momenten“ ist dieser Zustand des „in-der-Vergangenheit-schwelgen“ völlig „normal“ und demnach auch gesund, um das Erlebte zu verarbeiten. Sobald dieser Zustand jedoch nach einer gewissen Zeit nicht wieder abklingt, sollte man sich versuchen in erster Linie AKTIV selber zu helfen, oder im schlimmsten Fall, Hilfe von außen hinzuzuholen. 

Wie lerne ich loszulassen 

Die Perspektive macht’s aus.

Ein Perspektivwechsel kann dir insbesondere dabei helfen deine Probleme und Sorgen einfach mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Oftmals erscheint uns alles aus unserer eigenen Perspektive betrachtet so viel dramatischer und bedrohlicher, als es das eigentlich ist, was ganz einfach daran liegt, dass wir der Betroffene sind und in der entsprechenden Situation sind.  

Verschiebe deinen Fokus

Verschiebe deinen Fokus an Stelle auf das Negative, was dich momentan belastet bzw. wovon du nicht loslassen kannst, auf das Positive in der Situation. Dazu solltest du dich fragen, was an deiner Situation (egal wie schlimm sie auch sein mag) positiv sein könnte. [2]

Was ist das Gute an der Situation, dass eben alles entsprechend so gekommen ist, wie es nun mal gekommen ist? 

Wenn demnach alles im Leben aus einem bestimmten Grund passiert – worin könnte in genau deiner Situation der Sinn dahinter sein? 

Zeitreise

Diese kleine Zeitreise soll dir dabei helfen auch eine Art des Perspektivwechsels vorzunehmen, nur das du dir dieses Mal nicht vorstellst zB deine beste Freundin, Mutter oder ein Objektiver Betrachter zu sein, sondern du, du „selbst“ bleibst nur eben mit dem kleinen, aber dafür sehr bedeutenden Unterschied, dass jedes Mal ein gewisser Zeitraum verstrichen ist. Die Zeit soll dir dabei nicht nur helfen dein Erlebnis aus der Vergangenheit zu verarbeiten und dementsprechend deine Wunden zu heilen, sondern eben auch der Situationen, welche du in deiner Vergangenheit erlebt hast mit einer größeren Reife gegenüberzustehen. 

Schließe deine Augen und bewerte deine jetzige Situation von einer Skala von 1-10.

Wiederhole diesen Vorgang. Stelle dir jedoch dieses mal vor, dass eine Woche vergangen ist.

Mache das selbe erneut nur mit dem Wissen, dass jetzt mittlerweile schon ein Monat vergangen ist. 

Und abschließend wiederholst du diese Bewertung, indem du dich fragst, wie du über deine jetzige Situation in 1 Jahr denken würdest. 

Eine Runde auf dem Mond 

Abstand zu nehmen hilft dir dabei dich von deinen Sorgen und Erinnerungen, welche dich nach wie vor einfach nicht loslassen wollen, weil sie dir zu dem Zeitpunkt noch zu groß und mächtig erscheinen, einfach mal ganz klein werden zu lassen. 

Dafür kannst du dich auf eine imaginäre Reise auf den Mond begeben oder aber auch auf einer ganz entlegenen Insel, oder einem Ort deiner Wahl absetzten.

  1. Schließe deine Augen und versetzte dich in dein aktuelles Problem bzw in deine Erinnerung von welcher du einfach nicht loslassen kannst. Lasse das Bild dabei so groß und detailliert vor deinem inneren Auge erscheinen, wie es dir nur möglich ist.
  2. Zoome dich jetzt im zweiten Schritt aus der Situation heraus und betrachte deine jetzige Situation aus der Vogelperspektive heraus. 
  3. Zoome dich erneut heraus und erweitere die Vogelperspektive. (wenn du dich davor von der Decke deines Raumes aus betrachtet hast, dann tue jetzt das selbe nur aus der Perspektive, aus welcher du auf das Gebäude, in welchem sich dein Raum befindet schaust) [2] 
  4. Zoome dich weiter heraus, so als ob du deine Umgebung wie auf einem Satelliten Bild von Google Maps betrachten würdest. 
  5. Gehe noch einen Schritt weiter bis du nur noch deine Stadt, dann dein Land und schließlich die Erde bis hin zum kompletten Kosmos betrachtest. 

Wie groß ist dein Problem jetzt noch, wenn du es ins Verhältnis zu dem ganzen Leben, zu der Welt, zu den vielen Problemen, welche sich sonst noch alle auf ihr abspielen betrachtest ? [2]

Aufschreiben

Ja so kompliziert uns auch die ein oder andere Situation erscheinen mag, so simple kann deren Bewältigung manchmal sein. Dinge aufzuschreiben unterstützt uns dabei den Kopf frei zu bekommen und somit ebenfalls zu den Problemen die uns beschäftigen einen gewissen Abstand aufzubauen. Was du dir aufgeschrieben hast musst du dir nicht mehr merken bzw nicht mehr im Kopf behalten. 

Du kannst dir deine Erinnerung auch in Form eines Briefes aufschreiben. Das kann besonders hilfreich sein, wenn es sich um Erinnerungen handelt bei denen du einer bestimmten Person gerne etwas gesagt hättest, jedoch nie dazu gekommen bist. 

  1. Beschreibe ganz objektiv, was passiert ist
  2. Beschreibe deine Gefühle die du dabei empfunden hast, und insbesondere auch was du momentan im Bezug darauf empfindest 
  3. Versuche auch die Perspektive der anderen Person nachzuvollziehen 
  4. Sage dem anderen was du dir jetzt wünscht und verabschiede dich 

Ein Abschiedsritual

Eignet sich besonders gut, wenn du dich dazu entschließt etwas ganz bewusst loslassen zu wollen. 

  1. Schreibe die Erinnerung, die dich einfach nicht loslassen möchte auf einen Zettel 
  2. Verabschiede dich ganz bewusst von dieser Erinnerung, indem du dir zum Beispiel laut vorsagst „ Ich danke dir dafür, dass du mir wiederfahren bist und das ich dich erleben durfte aber nun bin ich darüber hinweg und möchte meine gesamte Aufmerksamkeit auf meine Gegenwart richten“! 
  3. Um diesen Abschied entgültig zu machen kannst du dich auch noch mit einem Ritual von ihr verabschieden, indem du den Zettel zum Beispiel verbrennst, wegschmeißt, an einen Luftballon hängst, ihn irgendwo vergräbst oder im Klo herunter spülst.

Gehe Rational vor 

Bei dieser Methode des Loslassens geht es vor allem darum mithilfe von Logik und gezielten Nachdenken der Erinnerung entgegenzutreten und den eigenen Gefühlen nicht so viel Freiraum bzw Macht beizumessen. 

Wichtig ist, dass du bei dieser Methode wirklich deinen Kopf „einschaltest“ und deine Gefühle und Gedanken, welche du durch diese Erinnerung immer wieder präsent erlebst ins Zweifeln bringst. [2]

  1. Was kannst du an dieser Situation ändern? 
  2. Was muss sich ändern bzw was kannst DU tun, um etwas an dem momentanen Ist-Zustand zu ändern und entsprechend loslassen zu können?  
  3. Wenn du es herausgefunden hast- wie setzt du es um?

Hinterfrage wirklich deine Glaubenssätze. War alles zu der damaligen Zeit wirklich so viel besser und rosiger oder vermischt du gerade die damalige Realität mit einer Wunschvorstellung von dir? 

Oftmals wünschen wir uns etwas so sehr, dass wir die Realität überhaupt nicht mehr wahrnehmen (wollen) und es dementsprechend auch nicht mehr tun. Gibt es wirklich Beweise dafür, dass es so gewesen ist, wie du es dir jeden Tag aufs Neue in deinem Kopf abspielst?

Und selbst wenn dem so gewesen ist wie hilft dir das in deinem momentanen Leben- in deiner Gegenwart? 

Fazit- Denke an deine Zukunft! 

Wer in der Vergangenheit lebt kann nicht in der Gegenwart leben und dementsprechend auch nichts für seine Zukunft tun.

„Denken nach rückwärts bringt niemanden vorwärts“- Winfried M.Bauer [2]

Lasse dich am besten – jedes Mal wenn du wieder merkst in alten Erinnerungen/ in der Vergangenheit festzustecken leiten. Gestalte deine Zukunft, indem du dankbar für das Hier und Jetzt bist. 

Überlege dir, was du alles von deinem Leben erwartest, was du brauchst um glücklich zu sein und versuche im nächsten Schritt direkt daran anzuknüpfen, indem du dich fragst was du dafür tun kannst, um deinem Ziel jeden Tag etwas näher zu kommen.

Jemand der ein klares Ziel und einen damit verbundenen klaren Plan vor Augen hat und jeden Tag aufs Neue an dessen Umsetzung aktiv arbeitet, der hat keine Zeit in der Vergangenheit hängen zu bleiben und entsprechend in Selbstmitleid zu baden. 

Wenn du ein noch ein Päckchen aus der Vergangenheit, vollbeladen mit belastenden Gedanken und Gefühlen, welche dich von deinem gegenwärtigen, sowie auch zukünftigen Glück abhalten mit dir rumträgst, dann ist es deine Pflicht dir gegenüber selbst daran etwas zu ändern!

Du bist die einzige Person die an deiner Situation, an deinen Lebensumständen etwas ändern kann. Nutze die Macht deiner Gedanken und lenke sie auf deine Ziele. Und spätestens, wenn du die ersten Resultate wahrnimmst wirst du schon gar nicht mehr an die ganzen alten Geschichten mehr denken.

Quellen 

[1] https://www.nationalgeographic.de/wissenschaft/2019/03/das-gedaechtnis-so-formen-und-vergessen-wir-erinnerungen

[2] https://zeitzuleben.de/loslassen-methoden/

Isabel Valentin

Stress und Leistungsdruck sind der oftmals überambitionierten und jungen Berlinerin Isabel Valentin kein Fremdwort. In dem dynamischen Hauptstadtleben hat sie schnell realisiert, wie wichtig eine ausgeglichene Balance zwischen Alltagsstress und Selbstfürsorge ist, weshalb sie sich im Laufe der Zeit zu einer wahren Calm Down Expertin entwickelt hat.

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